Ein Projekt aus dem WPU Kunst, Klasse 7
Die Arbeiten, die hier zu sehen sind, wurden nicht geschrieben, sondern gefunden. Im Wahlpflichtunterricht haben sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7 mit Blackout-Poetry beschäftigt: einer Technik, bei der aus einem vorhandenen Text durch Schwärzen und Übermalen ein ganz neues, eigenes Gedicht entsteht.
Vom Text zum Bild
Ausgangspunkt waren ganz unterschiedliche Textsorten: ein Zeitungsbericht über ein geheimnisvolles Licht in einem alten Bahnhof, ein Sachtext über das Meeresleuchten, ein Gedicht über Ebbe, Deich und Morgenlicht und eine kurze Erzählung aus einer verregneten Kleinstadt. Die Jugendlichen wählten zunächst ein Thema und ein „Ankerwort“, etwa Hoffnung, Einsamkeit oder Nacht. Dann lasen sie genau, kreisten mit Bleistift die Wörter ein, die zusammen etwas Neues erzählen, und ließen ihren Text prüfen. Dabei galten klare Regeln: Die Reihenfolge der Wörter bleibt erhalten, und das Gedicht bleibt gut lesbar. So wurde etwa aus einer langen Erzählung die kleine Szene: ein alter Mann / schrieb einen Brief, / als wollte er etwas erzählen.
Gestalten mit mindestens zwei Techniken
Erst danach begann die künstlerische Arbeit. Jede und jeder sollte mindestens zwei Techniken verbinden und die Wahl begründen. Entstanden sind ganz unterschiedliche Lösungen: tiefschwarz übermalte Seiten mit weißen Sternen und Punkten, leuchtende Farbflächen in Rot, Orange und Grün, eingerahmte Wörter, die wie kleine Inseln im Text schwimmen, oder Zeichnungen, die das Gedicht weitererzählen, wie Segelboote, Wellen, Muscheln, Blumenranken oder ein erleuchtetes Fenster. Viele Motive erzählen dabei vom Meer und von der Küste, also von dem, was uns hier an der Nordsee umgibt.
Blick auf die Kunst
Zum Abschluss verglichen die Schülerinnen und Schüler ihre Werke mit Arbeiten von Künstlern wie Tom Phillips, Arnulf Rainer und Marcel Broodthaers, die mit Übermalung und Text gearbeitet haben: Was ist ähnlich? Was ist anders? Was möchte ich mit meinem Werk zeigen?
Das Ergebnis sind sehr persönliche Arbeiten. Selbst aus demselben Ausgangstext sind völlig verschiedene Gedichte und Bilder entstanden, mal nachdenklich, mal verträumt, mal rätselhaft. Viel Freude beim Lesen und Entdecken!

